“Bologna Digital” den EU-Hochschulraum durch digitale Lösungen stärken

Auszug aus dem Blogeintrag von Florian Rampelt, Dominic Orr und Renata Suter bei Hochschulforumdigitalisierung
Im Positionspapier “Bologna Digital” hat ein internationales Expertenteam in Begleitung durch das Hochschulforum Digitalisierung Impulse für die Bologna-Ministerkonferenz im Mai 2018 in Paris erarbeitet. Das Positionspapier kann in englischer Sprache hier abgerufen werden.

Kernaussage von “Bologna Digital” ist, dass der digitale Wandel nicht als zusätzliche Herausforderung betrachtet werden sollte, sondern als ein wirksames Mittel, um zentrale Herausforderungen für die Hochschulbildung im 21. Jahrhundert zu bewältigen. Es fehlt jedoch weiterhin die konkrete Unterstützung und Sichtbarkeit der Digitalisierung von Hochschulbildung in die Breite und der unmittelbare Beitrag digitaler Lösungen zur Bewältigung zentraler Herausforderungen der Hochschulbildung bleibt oft verborgen. Anhand konkreter Vorschläge wird daher diskutiert, wie die Digitalisierung bis 2020 als Querschnittsthema in allen Dimensionen der weiteren Implementierung des Bologna-Prozesses verankert werden kann – als Teil der Lösung von bestehenden Herausforderungen.

In den insgesamt 17 Empfehlungen wird unter anderem Hochschulen vorgeschlagen, digitale Einführungskurse für ihre Studienprogramme online verfügbar zu machen (etwa in Form von MOOCs), um Studienanfänger/-innen, und dabei besonders auch Studierenden aus bildungsfernen Schichten und internationalen Studierenden, bessere Vorabinformationen zu bieten und eine bessere Vorbereitung auf ihr Studium zu ermöglichen. Darüber hinaus werden Hochschulen dazu aufgefordert, standardisierte Verfahren und Prozesse für die Prüfung und Anrechnung von Kompetenzen, die in verschiedenen (offenen) Online-Formaten erworben wurden, zu erarbeiten und publizieren. Dies geht eng einher mit der Forderung nach Qualitätssicherungsmaßnahmen für digitale Lehr- und Lernformate, die auf den bestehenden Bologna-Standards aufbauen und Vertrauen im Umgang mit digitalen Lernprozessen schaffen sollen. Auch Möglichkeiten des virtuellen Austausches werden als ein zentrales Element der digitalen Hochschule der Zukunft beschrieben, die noch stärker auch Teil des Bologna-Arbeitsprogramms werden sollten.“

Lesen Sie im folgenden die Empfehlungen.

Zum vollständigen Artikel: https://hochschulforumdigitalisierung.de/de/blog/bologna-digital-positionspapier-europaeischer-hochschulraum

 

„Öffnung von Hochschulbildung

Empfehlungen:

  1. Hochschulen werden dazu ermutigt, Einführungskurse in ihre Studienprogramme online verfügbar zu machen, einschließlich angemessener Unterstützungsmechanismen, um neuen Studierenden bessere Vorabinformationen und eine bessere Vorbereitung auf ihr Studium zu ermöglichen.
  2. Regierungen und die EU werden dazu aufgefordert, finanzielle Mittel für solche digitalen Lösungen zur Verfügung zu stellen, um die Hochschulbildung zu öffnen und besonders auch den Lernerfolg für nicht-traditionelle Lernende sicherzustellen.

Anrechnung nicht-formalen (digitalen) Lernens

Empfehlungen:

  1. Hochschuleinrichtungen werden dazu ermutigt, standardisierte Verfahren und Prozesse für die Prüfung und Anrechnung von Kompetenzen, die in verschiedenen (offenen) Online-Formaten erworben wurden, zu erarbeiten und publizieren. Dies sollte auf Qualitätssicherungsmaßnahmen durch Anbieter von MOOCs und weiteren Formaten aufbauen. Die Maßnahmen können einen gleitenden Übergang von nicht-traditionellen Lernenden in Studienprogramme sowie flexiblere Lernpfade fördern.
  2. Hochschulen werden dazu eingeladen, Listen der Online-Kurse (z.B. MOOCs) und Micro-credentials zu veröffentlichen, die sie als Teil ihrer Studienprogramme anerkennen bzw. anrechnen und transparente und digitale Anrechnungsmanagementsysteme zu entwickeln.

Zulassung

Empfehlungen:

  1. Hochschulen werden dazu aufgefordert, papierbasierte Zulassungsprozesse schrittweise zu beenden und die Nutzung elektronischer Studierendendaten auszubauen, um Anerkennungs- und Zulassungsprozesse auf der Grundlage der in der Groningen Declaration festgelegten Grundsätze besser zu informieren, abzusichern und zu beschleunigen.
  2. Regierungen und die EU werden ermutigt, die Einrichtung und Vernetzung zentraler (nationaler) elektronischer Datenspeicher für Studierendendaten zu unterstützen (im Einklang mit den in der Groningen Declaration festgelegten Grundsätzen) und angemessene Maßnahmen zu ergreifen, um dabei ein hohes Maß an Datensicherheit und Datenschutz zu gewährleisten.
  3. Die von der Europäischen Kommission vorgeschlagene EU Student Card sollte als (virtueller) Ausweis für Lebenslanges Lernen entwickelt werden, der Zulassungsentscheidungen für eine viel größere Gruppe von Lernenden als nur junge Studierenden erleichtert.

Lehren und Lernen

Empfehlungen:

  1. Hochschuleinrichtungen werden dazu ermutigt, digitale Lernumgebungen als wichtigen strategischen Pfeiler ihrer institutionellen Strategie zu fördern, um die Lernerfahrung und den Lernerfolg aller Lernenden zu verbessern.
  2. Hochschuleinrichtungen werden ermutigt, bei der Entwicklung digitaler Lernumgebungen zusammenzuarbeiten (z. B. bei der Nutzung und Weiterentwicklung von offenen Bildungsmaterialien), um gegenseitiges Lernen und Qualitätsverbesserungen zwischen Hochschuleinrichtungen zu gewährleisten.
  3. Die Regierungen und die EU werden aufgefordert, Mittel für Hochschuleinrichtungen und andere Akteure bereitzustellen, um die pädagogischen Innovationen des Lehrpersonals zu unterstützen.
  4. Alle Akteure sind dazu eingeladen, die Idee einer europaweiten Plattform digitaler Hochschulbildung und stärkerer Zusammenarbeit zu untersuchen (One-Stop-Shop).

Abschlüsse und Qualifikationen

Empfehlungen:

  1. Hochschulen werden ermutigt, digitale Lösungen (z. B. digitale Badges) zu nutzen, um eine detailliertere Dokumentation der Kenntnisse, Fähigkeiten, Kompetenzen und Erfahrungen zu gewährleisten, die Lernende während ihres Lernfortschritts erwerben.
  2. Die EU wird ermutigt, sich weiterhin mit Regierungen und anderen Akteuren darum zu bemühen, europaweite Lösungen mit hoher Akzeptanz auf dem Arbeitsmarkt (z. B. Europass-Reform) zu konzipieren und umzusetzen.

Internationalisierung und Mobilität

Empfehlungen:

  1. Hochschulen werden dazu angehalten, Möglichkeiten des virtuellen Austauschs noch stärker zu nutzen als eine Ergänzung klassischen Austauschprogrammen für Studierende und Hochschul-Mitarbeitende.
  2. Hochschulen werden dazu ermutigt, Einführungskurse in ihre Studienprogramme online verfügbar zu machen, um internationalen Studierenden bessere Vorabinformationen und eine bessere Vorbereitung auf ein Präsenzstudium im Ausland zu ermöglichen.

Qualitätssicherung

Empfehlungen:

  1. Alle Akteure im Bildungsbereich, aber besonders auch die EU und die BFUG werden ermutigt, verstärkt gemeinsam daran zu arbeiten, allgemeingültige Qualitätskriterien zu entwickeln, die Hochschuleinrichtungen, Studierenden und Evaluatoren helfen, die Qualität und Relevanz von Online-Lernangeboten und alternativen Lernnachweisen zu beurteilen.
  2. Die Mitgliedstaaten und andere Akteure im Europäischen Hochschulraum werden dazu aufgefordert, ihre derzeitigen Qualitätssicherungs- und Akkreditierungsmaßnahmen zu überprüfen und diese auf geeignete Verfahren für neue Formen des (digitalen) lebenslangen Lernens auszuweiten. In diesem Zusammenhang könnten Regierungen und Interessengruppen die Einrichtung einer oder mehrerer spezieller (europäischer) Agenturen fördern, die sich auf die Bewertung digitaler Angebote für lebenslanges Lernen konzentrieren, z. B. MOOCs.“