Studie: MINT Vorbild bei Internationalisierung mit einigen Schwächen

Die kürzlich veröffentlichte Studie von Stifterverband, Daimler-Fonds und der Daimler und Benz-Stiftung „wie international ist MINT“ widmet sich der Internationalisierung der MINT-Fachbereiche.
Die Studie gibt einerseits mithilfe der Hochschulstatistik einen Überblick über den aktuellen Stand und die Entwicklung der Internationalisierung der MINT-Fächer, anderseits widmet sie sich auch den Rahmenbedingungen für deren Umsetzung. Darüber hinaus werden geeignete Instrumente und deren Wirksamkeit beleuchtet. Für die Analyse wurden die Leitungen der Fachbereiche und Fakultäten in den MINT-Fächern befragt.

Wo MINT Vorbild ist

  • Attraktivität von MINT bei ausländischen Studierenden: In keinem Land entscheiden sich so viele Studierende aus dem Ausland für ein Ingenieurstudium wie in Deutschland. Bildungsausländer entscheiden sich häufiger für die MINT-Fächer als einheimische Studierende.
  • Angebote zu internationalisation@home: Jeder zweite internationale Studiengang ist ein MINT-Fach. In dieser Fächergruppe gibt es damit überdurchschnittlich viele international ausgerichtete curriculare Angebote.
  • Ambitionierte Ziele: Drei Viertel der MINT-Dekane wollen, dass ihr Bereich in Zukunft noch internationaler wird.
  • Gewinnung internationaler Gastwissenschaftler: Ausländische Wissenschaftler, die zeitweise in Deutschland forschen und lehren, vertreten überdurchschnittlich häufig eine MINT-Disziplin.
  • Internationale Kompetenzen für wissenschaftlichen Nachwuchs: Der überwiegende Anteil von MINT-Fachbereichen unterstützt aktiv die Verbesserung der Sprachkenntnisse, finanziert die Teilnahme an internationalen Konferenzen und Forschungsaufenthalte und stärkt die Entwicklung interkultureller Kompetenzen.
  • Gute Unterstützung in der Eingangsphase: Fast flächendeckend werden Maßnahmen zur fachlichen und sprachlichen Betreuung sowie Informations-, Orientierungs- und kulturelle Angebote für den Studienstart erfolgreich umgesetzt.

Wo MINT Stärken und Schwächen zeigt

  • Trend bei ausländischen Studierenden: Die Zahl von ausländischen MINT-Studierenden wächst ähnlich schnell wie im Durchschnitt der Fächer. Eine Ausnahme ist die Zahl der Ingenieurstudierenden an Universitäten, die in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen ist.
  • MINT-Studentinnen aus dem Ausland: Frauen, die für ein Studium nach Deutschland kommen, wählen häufiger ein MINT-Fach als einheimische Studentinnen. Allerdings ist der Abstand zum MINT-Anteil bei Männern ähnlich groß.
  • Anteil internationales Lehrpersonal: Im Vergleich der Disziplinen haben Mathematik und Naturwissenschaften den höchsten Anteil von Wissenschaftlern aus dem Ausland. Die technischen Fächer sind dagegen unterdurchschnittlich mit internationalem Personal besetzt.
  • Bleibeabsichten ausländischer MINT-Absolventen: Ein unterdurchschnittlicher Anteil ausländischer MINT-Studierender möchte nach dem Abschluss in Deutschland bleiben. Allerdings planen überdurchschnittlich viele Masterabsolventen der Mathematik und Naturwissenschaften eine Karriere in Deutschland.
  • Enge Zusammenarbeit mit Wirtschaft: Knapp 80 Prozent der Fachbereichsleiter sind mit der Zusammenarbeit mit Unternehmen im Bereich Praxisbezug und Übergang in den Arbeitsmarkt zufrieden. Aktiv wird mit der regionalen Wirtschaft zusammengearbeitet. Ein Nachholbedarf besteht bei Kooperationen mit Partnern im Ausland.

Wo MINT Nachholbedarf hat

  • Anteil internationaler Studierender: In fast allen Fächern des MINT-Spektrums, an Fachhochschulen und Universitäten, sind anteilig teils deutlich weniger internationale Studierende eingeschrieben als im Fächerdurchschnitt. Nur bei den angehenden Ingenieuren an Universitäten finden sich überdurchschnittlich viele Studierende aus dem Ausland.
  • Internationale Mobilität einheimischer Studierender: Der Anteil von Studierenden mit Auslandserfahrung ist in keiner anderen Fächergruppe so gering wie in MINT. Im Erasmus-Programm nehmen beispielsweise nur halb so viele MINT-Studierende teil, wie es gemessen an der Studierendenzahl zu erwarten wäre.
  • Interkulturelle Kompetenzen beim Personal: An jedem zweiten Fachbereich ist die Verwaltung aus Sicht der Dekane nicht adäquat auf die Internationalisierung vorbereitet. Eine bessere Vorbereitung besteht allerdings beim Lehrpersonal.
  • Fest verankerte Module für Auslandsaufenthalte: Zwar verfügt jeder vierte Fachbereich über curriculare Elemente zur Stärkung internationaler Kompetenzen, Auslandssemester und Praktika zählen aber nur in Ausnahmenfällen dazu.
  • Digitale Instrumente: Aktive Onlinebetreuung, -vorlesungen, -seminare und -prüfungen sind noch wenig verbreitet. Nur Onlinebewerbungsportale und Portale zur Studienorganisation sind flächendeckend im Einsatz.

Ohne Drittmittel geht kaum was

Internationalisierung bedarf Investitionen, beispielsweise für die Organisation von Willkommens- und Austauschprogrammen, die Pflege von Kontakten mit Hochschulen im Ausland und das internationale Hochschulmarketing.  […][ Der Bedarf an solchen Investitionen an den MINT-Fachbereichen wächst jedoch. An 83,3 Prozent der staatlichen Universitäten und 74,5 Prozent der staatlichen Fachhochschulen ist die
Zahl der Maßnahmen beziehungsweise Projekte zur Internationalisierung in den letzten fünf Jahren gestiegen. An den restlichen Hochschulen blieb die Anzahl der Maßnahmen gleich. Unter den Fachbereichen zeigen Mathematik und die Naturwissenschaften den größten Zuwachs. Die Finanzierung der Maßnahmen zur Internationalisierung erfolgt durch unterschiedliche
Quellen. Auf Drittmittel verzichten dabei die wenigsten Einrichtungen.
84,8 Prozent der staatlichen Fachhochschulen und 87,5 Prozent der staatlichen Universitäten arbeiten mit externen Fördermitteln. Ein zentraler Akteur bei der externen Finanzierung von Maßnahmen zur Internationalisierung ist der DAAD. Allerdings finanzieren die Hälfte der Fachbereiche an staatlichen Fachhochschulen und 42,4 Prozent der Fachbereiche an staatlichen Universitäten ihre Internationalisierungsmaßnahmen
ausschließlich oder überwiegend durch Grundmittel.

 

Zum Download der gesamten Studie: https://www.stifterverband.org/pressemitteilungen/2018_06_05_minternational